Landrat, Bürgermeister und Tourismusverband schlagen Alarm

12.05.2021

Symbolbild

Gemeinsame Pressemitteilung des Landratsamtes und des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz:

Situation der Wegesperrungen im Nationalpark Sächsische Schweiz spitzt sich zu

Seit über einem Jahrhundert ist die Sächsische Schweiz wesentlicher Bestandteil für den Tourismus und die Erholung der Menschen in der Region und auch überregional nicht mehr wegzudenken. Der Nationalpark Sächsische Schweiz wurde vor über 30 Jahren ins Leben gerufen. Ziel ist es einen Ausgleich zwischen den Interessen des Naturschutzes und der Erholung der Bevölkerung herzustellen.

Es war in den 90er Jahren eine große Herausforderung Vor- aber auch Nachteile eines Nationalparks, der so dicht am Siedlungsraum angrenzt, wie kein anderer, im Einklang aller Akteure zu entwickeln.

Aufgrund der Sturmereignisse vergangener Jahre und der Ausbreitung des Borkenkäfers steht die Gleichwertigkeit von Naturschutz und Erholung immer mehr in Frage. Der Sächsischen Schweiz droht die Sperrung einiger ihrer beliebtesten Wanderwege. Lebensqualität und Erholungswert der Region sowie die touristische Wertschöpfung sind akut bedroht.

Landrat Michael Geisler, die Bürgermeister der Städte und Gemeinden der Nationalparkregion, der Tourismusverband Sächsische Schweiz und der Sächsische Bergsteigerbund e. V. sehen sich nach mehrmaligen Anläufen gegenüber der Nationalparkverwaltung nun gezwungen an höchster Stelle im Freistaat Sachsen Alarm zu schlagen. Gemeinsam setzen sie sich gegenüber dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer für eine Lösung der sich zuspitzenden Situation ein.

Briefe an den Ministerpräsidenten

In einem Brief legen Landrat und Bürgermeister die prekäre Lage dem Ministerpräsidenten dar. Auch der Tourismusverband Sächsische Schweiz und der Sächsische Bergsteigerbund e. V. bekräftigen ihren Unmut in weiteren Schreiben.

Eine Region, die insbesondere in der Hinteren Sächsischen Schweiz fast ausschließlich auf die Nutzung des Nationalparks angewiesen ist, wird in wenigen Wochen wieder mit hunderttausenden Besuchern konfrontiert.

„Als touristische Destination der Superlative sind im Nationalpark dieses Jahr bereits markierte Wanderwege von ca. 40 Kilometern und weitere 50 Kilometer unmarkierte Wege außerhalb der Kernzone des Nationalparks gesperrt. Zahlreiche dieser Wege fungieren gleichzeitig als Anbindung an gastronomische und Beherbergungsbetriebe, deren wirtschaftliche Betätigung damit weiterhin ausgeschlossen ist. Diesen Unternehmen, die seit über sechs Monaten geschlossen sind, wird damit auch noch die letzte Möglichkeit der Einnahmeerwirtschaftung genommen.“, kritisiert Landrat Michael Geisler. „Wir sehen dadurch eine große Gefahr von Geschäftsschließungen, Arbeitslosigkeit und Imageverlust auf die Region zukommen.“

Die Ursache für diese dramatische Entwicklung wird seitens der Mitglieder der „AG Wegekonzeption“, des Landrates und der Bürgermeister der Nationalparkregion in der Art und Weise gesehen, wie die Nationalparkverwaltung der durchaus brisanten Situation begegnet. Seit einiger Zeit besteht ein gewisses Maß an Unzufriedenheit und Enttäuschung.

Auch Tino Richter, TVSSW-Geschäftsführer, äußert sich überaus besorgt: „Uns läuft die Zeit davon. Die Hauptsaison steht vor der Tür und das Wegenetz in der Hinteren Sächsischen Schweiz droht extrem auszudünnen. Wichtige Verbindungen und Rundwege könnten gekappt werden. Wenn nichts geschieht, müssen wir mit frustrierten Gästen und chaotischen Zuständen an Besucherschwerpunkten rechnen. Wandern im Nationalpark ist der Hauptreisegrund für die Gäste der Region. Jede Einschränkung an dieser entscheidenden Stelle zieht die gesamte touristische Wertschöpfungskette in Mitleidenschaft. Wir sehen die Erfolge jahrzehntelanger Aufbauarbeit der Destination bedroht – und leider auch die Akzeptanz des Nationalparkgedankens, der von den Kommunen und Gastgebern in der Region immer mitgetragen wurde. Unsere letzte Hoffnung ist ein schnelles Einlenken und die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen für den vorausschauenden Erhalt des Wegenetzes und das Besuchermanagement im Nationalpark.“

Da auch in diesem Jahr mit zahlreichen Gästen in der Sächsischen Schweiz zu rechnen ist, ist nun dringend Handlungsbedarf erforderlich.

In zahlreichen Gesprächen der letzten Wochen wurde deutlich, dass es in der Nationalparkverwaltung an strategischen Überlegungen fehlt, wie die Erholungsfunktion im Nationalpark – und damit die wesentliche Grundlage für den Tourismus – für die Zukunft gewährleistet werden kann.

TVSSW, Landrat und SBB erinnern an den 1999 erzielten Konsens für die Entwicklung der Nationalparkregion. Naturschutz, Erholung, Bildung und Forschung seien damals als ebenbürtig festgeschrieben worden.

Die aktuellen Entwicklungen lassen jedoch erheblich zweifeln, dass die Erholungsfunktion noch als gleichrangiges Ziel gesehen wird. Die Botschaft an den Ministerpräsidenten ist klar: „Bitte machen Sie sich für den Erhalt der Sächsischen Schweiz als traditionelle Tourismusregion stark.“


Unterzeichner von Landkreis und Kommunen sind:

Landrat Michael Geisler

Oberbürgermeister Mike Ruckh

Bürgermeister Thomas Kunack

Bürgermeister Jörg Mildner

Bürgermeister Daniel Brade

Bürgermeister Thomas Richter

Bürgermeister Klaus Tittel

Bürgermeister Uwe Thiele


Weitere Unterzeichner sind:

Geschäftsführer Tourismusverband Sächsische Schweiz

Sächsischer Bergsteigerbund e. V.
                                                                   
Vertreter der Kommunen AG Wegekonzeption

 

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Pressestelle

Tourismusverband
Geschäftsführer Tino Richter

Sächsischer Bergsteigerbund e.V.
Dr. Peter Rölke, Vertreter der Bergsportverbände in der AG Wege

Landesverband Sachsen des Deutschen Alpenvereins
Lutz Zybell, Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit

Vertreter der Kommunen in der AG Wegekonzeption
Bürgermeister Thomas Kunack

Bürgermeister Hohnstein Daniel Brade

Oberbürgermeister Sebnitz Mike Ruckh

Bürgermeister Rathen Thomas Richter