Gewalt gegen LSBTTIQ* - Erste Studie in Sachsen startet

17.01.2019

Pressemitteilung Fachstelle LAG Queeres Netzwerk Sachsen e.V. - die Gleichstellungsstelle informiert

Seit dem 01. Januar 2019 realisiert die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen die erste wissenschaftliche Studie zu Gewalterfahrungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans*- und inter*-geschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTTIQ*) in Sachsen. In Kooperation mit der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida wird bis zum 15. Februar 2019 eine umfragebasierte Erhebung durchgeführt.

An der Studie kann online unter folgendem Link teilgenommen werden: https://www.surveymonkey.de/r/StudieGewalterfahrungenLSBTTIQinSachsen_2019. Außerdem liegen die Fragebögen in gedruckter Form in ganz Sachsen an ausgewählten und geschützten Standorten aus. Eine Liste der Standorte steht zum Download unter www.queeres-netzwerk-sachsen.de bereit.

Hintergrund: Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die sich mit vorurteilsbezogener Gewalt bzw. Hasskriminalität gegen LSBTTIQ* und deren polizeilicher Erfassung im Bundesland Sachsen beschäftigen. Derartige Straftaten werden in Sachsen über den Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) unter der Kategorie „sexuelle Orientierung“ erfasst. Zwischen 2001 und 2017 wurden insgesamt lediglich 55 registriert. „Angesichts der geringen Fallzahlen sieht die Staatsregierung derzeit keinen Anlass für besondere Maßnahmen zur Sensibilisierung und Qualifikation von Polizeibeamten zum Thema Hasskriminalität bezogen auf LSBTTIQ.“ (Vgl. Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen (Sachsen, 2017): S. 29.).

Aus der Beratungstätigkeit ihrer Mitgliedervereine heraus geht die LAG Queeres Netzwerk Sachsen davon aus, dass das Dunkelfeld erheblich größer ist und die Mehrzahl der Straftaten gegen LSBTTIQ* nicht zur Anzeige gebracht werden. Nach unterschiedlichen Schätzungen betrifft dies bis zu 90% der Delikte vorurteilsbezogener Gewalt bzw. Hasskriminalität gegen LSBTTIQ*. Das bestätigen auch Studien für andere Bundesländer. Mittlerweile antizipiert auch die Sächsische Staatsregierung ein Dunkelfeld nicht angezeigter Straftaten.

Mit den Ergebnissen der Studie schafft die LAG Queeres Netzwerk Sachsen eine wissenschaftliche Diskussionsgrundlage über Hasskriminalität, geeignete Hilfen und einen angemessenen Opferschutz in Sachsen. Dies bietet der LAG Queeres Netzwerk Sachsen die Möglichkeit, sowohl mit der sächsischen Politik als auch der sächsischen Polizei über benannte Thematik ins Gespräch kommen zu können.

Die LAG wurde 2016 als Dachverband der sächsischen Organisationen und Vereine gegründet, die sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans*- und inter*-geschlechtlichen und queeren Menschen in Sachsen einsetzen. Die Studie zu Gewalterfahrungen von LSBTTIQ* in Sachsen ist mittels Crowdfunding finanziert worden und unabhängig.

Pressekontakt:
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachstelle LAG Queeres Netzwerk Sachsen e.V.
Bautzner Straße 53, 01099 Dresden
Telefon: 0351 3320 4696
E-Mail: martin.wunderlich@queeres-netzwerk-sachsen.de