Die „Natur des Jahres“ 2026 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

A-Z

31.07.2026 10:45

Foto von den Tieren
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf Großem Wiesenknopf / Der Warzenbeißer © L. Brümmler / Feld-Rittersporn auf einem artenreichen Wildkrautacker im unteren Osterzgebirge © UNB

Die bundesweite Benennung der „Natur des Jahres“ durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rückt alljährlich gefährdete Arten und Lebensräume in das öffentliche Bewusstsein. Was auf Bundesebene als symbolischer Weckruf dient, besitzt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unmittelbare praktische Relevanz. Aufgrund der besonderen geografischen Schnittstelle zwischen Elbsandsteingebirge und Osterzgebirge beheimatet die Region hochgradig spezialisierte Ökosysteme. Der Schutz dieser Habitate erfordert eine enge Verzahnung von behördlichen Maßnahmen mit ehrenamtlichem Engagement. 

Schmetterling des Jahres: Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Der BUND hat den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zum Schmetterling des Jahres 2026 gekürt. Das komplexe Zusammenspiel von Pflanze, Falter und Knotenameise macht den nur 35 bis 40 Millimeter großen Schmetterling faszinierend, aber auch extrem störanfällig für Veränderungen in der Wiesenbewirtschaftung oder beim Klima. Der Falter bewohnt feuchte Wiesen sowie Grabenränder und ist durch intensive Mahd, Verbrachung sowie Herbizideinsatz hochgradig vom Aussterben bedroht. 

Im Landkreis existieren zwar noch rund 20 Wiesenkomplexe im Osterzgebirgsvorland, dem östlichen Osterzgebirge und dem Elbtal. Allerdings fehlen aktuell an einigen historischen Standorten, wie etwa unterhalb von Pirna, die Nachweise für das Vorkommen. Um den Rückgang zu stoppen und diese Maßnahmen zu steuern und so den Rückgang des Falters zu stoppen, arbeitet die untere Naturschutzbehörde des Landkreises mit Eigentümern, Landwirten und ehrenamtlichen Naturschutzhelfern und -vereinen zusammen.

Insekt des Jahres: Warzenbeißer

Der Warzenbeißer verdankt seinen ungewöhnlichen Namen dem alten Volksglauben, dass sein kräftiger Biss und sein Sekret Warzen heilen können. Dank seiner gedrungenen Gestalt und der grün bis erdig-braun gemusterten Färbung ist er auf offenen, halbtrockenen und wärmebegünstigten Wiesen und Magerrasen weit verbreitet und perfekt getarnt. Die tagaktiven, flugfähigen Tiere bewegen sich meist springend voran und ernähren sich sowohl von Pflanzen als auch räuberisch von anderen Insekten. Von Juni bis Oktober – besonders im August – sind die Männchen aktiv; bei Sonnenschein und Wärme lassen sie ihren minutenlangen Gesang aus markanten „Zick“-Lauten hören. 

Als Bewohner offener, wärmebegünstigter Wiesen und Magerrasen benötigt die Art großflächige Habitate, weshalb sie durch intensive Landwirtschaft, Drainage und Aufforstung stark gefährdet ist. Während es bis vor 20 Jahren nur vereinzelte Funde im oberen Osterzgebirge und der Sächsischen Schweiz gab, ist die Heuschrecke heute im Osterzgebirge auf sonnigen Wiesenhängen weiter verbreitet und breitet sich bis in das Elbtal aus.

Blume des Jahres: Feld-Rittersporn

Die Loki Schmidt Stiftung hat den Feld- oder Ackerrittersporn zur Blume des Jahres 2026 gekürt, um auf den dramatischen Artenschwund in den Agrarlandschaften aufmerksam zu machen. Die intensiv blau-violett blühende Pflanze steht stellvertretend für viele Ackerwildkräuter, deren Bestände durch Herbizideinsatz, Düngung, moderne Bodenbearbeitung und den Verlust von Ackerrändern drastisch zurückgegangen sind, weshalb die Art heute bundesweit auf der Roten Liste steht. 

Der von Mai bis September blühende Rittersporn, dem früher eine harn- und wurmtreibende Heilwirkung zugeschrieben wurde, wächst bevorzugt auf kalkhaltigen Lehmböden an Wegrändern, Brachen oder Erdhaufen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge war die basenliebende Pflanze schon immer selten. Obwohl noch vor wenigen Jahren ein großes Vorkommen im Osterzgebirgsvorland im Bereich Liebstadt und Müglitztal registriert wurde, fehlt seitdem jeder Nachweis, weshalb der unteren Naturschutzbehörde aktuell keine Vorkommen im Landkreis bekannt sind. Zum Schutz solcher wildkrautreichen Äcker können Landwirte für eine naturschutzgerechte Ackernutzung einstehen. 

Meldeaufruf

Bei Sichtungen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, des Warzenbeißers oder des Feld-Rittersporns im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wird um Mitteilung an das Umweltamt gebeten. Die Nachricht sollte Angaben zum genauen Standort (idealerweise markiert auf einer Karte) sowie nach Möglichkeit ein Foto enthalten. Weitere Informationen zu den Arten stehen unter www.landratsamt-pirna.de/artenschutz.html zur Verfügung.  

Kontakt:
Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Umweltamt, Referat Naturschutz
Weißeritzstraße 7
01844 Dippoldiswalde
Telefon: 03501 515-3430
E-Mail: naturschutz@landratsamt-pirna.de