23.06.2026 14:30
Zu einem intensiven Erfahrungsaustausch traf sich am Montag, dem 22. Juni 2026, Landrat Michael Geisler mit einer hochrangigen Delegation des tschechischen Senats um den Vorsitzenden des Ausschusses für territoriale Entwicklung, öffentliche Verwaltung und Umwelt Zbyněk Linhart und Generalkonsulin Ivona Valhová. Im Fokus standen die Balance zwischen Naturschutz und kommunaler Entwicklung, der grenzübergreifende Waldbrandschutz sowie die Zusammenarbeit im Tourismus.
Schutzgebiete: Herausforderungen für die Gemeinden
Ausschussvorsitzender Linhart erläuterte, dass im tschechischen Teil der Region ein stetiger Dialog nötig sei, um die Interessen des Naturschutzes und die Bedürfnisse der Gemeinden erfolgreich zu vereinbaren. Landrat Geisler untermauerte dies mit Blick auf die deutsche Seite: Statistische Daten verdeutlichen, dass für eine zukunftsfähige Entwicklung der Städte und Gemeinden im Nationalpark Sächsische Schweiz - etwa bei moderaten baulichen Anpassungen oder dem Breitbandausbau – passgenaue Rahmenbedingungen wichtig sind. Er verdeutlichte die Forderung von Seiten des Landkreises, die Zuständigkeit über das Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz zu erlangen.
„Wir sehen uns als Partner des Nationalparks, wünschen uns jedoch flexible Lösungen, die der Region Raum für eine nachhaltige Entwicklung geben. Der Tourismus ist ein starkes Standbein, kann aber nicht die gesamte Wirtschaftsstruktur tragen“, betonte Landrat Geisler. „Unser Ziel ist, die Vision eines partnerschaftlich abgestimmten, grenzübergreifenden Nationalparks weiterzuverfolgen. Durch einen harmonisierten Abbau von Hürden auf beiden Seiten könnten sowohl der Naturschutz gestärkt als auch neue Potenziale für die Region erschlossen werden.“
Lehren aus den Waldbränden: Prävention im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche lag auf dem Waldbrandschutz im siedlungsnahen Raum. Die Delegation informierte sich dabei über die wesentlichen Weiterentwicklungen im Brandschutz, die als Konsequenz aus den Ereignissen von 2022 auf den Weg gebracht wurden. In diesem Zusammenhang verwies Landrat Geisler auf die Forderung nach einem beschleunigten Waldumbau in direkter Nähe zu Wohnbebauungen. Um künftigen Bränden effektiv vorzubeugen, spiele zudem die gezielte Beseitigung von Totholz eine zentrale Rolle in der gemeinsamen Präventionsarbeit.
Mobilität und ein starker gemeinsamer Arbeitsmarkt
Positive Bilanz zogen die Teilnehmer beim öffentlichen Nahverkehr und der touristischen Entwicklung. Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz e.V., verwies auf den Erfolg der regionalen Gästekarte, mit der sich der Anteil der regelmäßig den öffentlichen Personennahverkehr nutzenden Fahrgäste von 20 auf rund 50 Prozent steigern ließ. Weiteres Potenzial sahen die Teilnehmer in der Entwicklung der grenzüberschreitenden Mobilitätsangebote wie beispielsweise der Nationalparkbahn.
Einig war man sich, dass auch der grenzübergreifende Arbeitsmarkt ein wertvoller Impulsgeber für die Region sei. Durch den stetigen Zuwachs an Fach- und Arbeitskräften sowie das Engagement von Unternehmern auf beiden Seiten der Grenze gewinnt die Tourismusbranche spürbar an Stabilität und Qualität. Diese gelebte Nachbarschaft schafft wichtige Synergien, von denen Wirtschaft und Gastgewerbe im gesamten Grenzraum nachhaltig profitieren.
Die Ergebnisse des Treffens der Delegationen wurden von allen Beteiligten als sehr gut bewertet. Der konstruktive Dialog soll auch künftig in einem engen und kontinuierlichen Austausch fortgeführt werden, um die vertrauensvolle und nachhaltige Zusammenarbeit weiter zu stärken.