Blütenbunte Bergwiese am Klengelsteig
Wollgras, Hahnenfuß und Lichtnelken - Nasswiesenbereiche in der Fürstenauer Heide
Iris sibirica
Die einzigartigen Bergwiesen im Osterzgebirge vermitteln den Besuchern besonders in diesem Jahr unvergessliche Eindrücke bei ihren Ausflügen in das Osterzgebirge. Blütenbunte Wiesen am Geisingberg, aber auch in Fürstenau und Zinnwald, erfreuen viele Besucher aus nah und fern. Wer die Mühen nicht scheut und sich auf Schusters Rappen auf den Weg macht, kann links und rechts der Wanderwege eine außergewöhnliche Pracht an verschiedenen Bergwiesenarten entdecken. Die Schönheit tausender blühender Orchideen am Klengelsteig lässt die Besucher andächtig ausharren und genießen. Zusammen mit Trollblumen, Wiesenknöterich, Habichtskraut, Pippau, Hahnenfuß und Kreuzblümchen wird ein bunter Blütenteppich auf die Bergwiesen gezaubert, den jeder auf seine Weise erleben, sehen, riechen und hören kann. Die wechselnde Vielfalt auf den Wiesen am Geisingberg versetzt die Wanderer immer wieder ins Staunen. Der Duft von blühender Bärwurz, das Summen der vielen Insekten und der Gesang der Wiesenvögel lassen den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Der dreifarbige Hainwachtelweizen säumt zahlreiche Wanderwege, auf denen man immer wieder Besuchern begegnet, die von dieser reichhaltigen Naturausstattung der Bergwiesen im Osterzgebirge beeindruckt sind und sich dafür bedanken, dass dieses außergewöhnliche Gebiet unserer sächsischen Heimat geschützt, erhalten und für eine große Öffentlichkeit erlebbar gemacht wird.
Besonders 2010 im Jahr der internationalen Biodiversität, der Erhaltung und des Schutzes der Artenvielfalt, dem sich auch der Freistaat Sachsen verpflichtet hat, lernt man gewissermaßen vor Ort auf den artenreichen Bergwiesen die tiefe Bedeutung ihres Erhalts und ihrer Pflege kennen und verstehen. Die Gegend am Kamm des Osterzgebirges verfügt über das größte zusammenhängende Gebiet intakter Bergwiesen in deutschen Mittelgebirgen. Ebenso wie die wertvollen Kunstgüter in den sächsischen Museen, die einmaligen Baudenkmale die Sachsen über seine Landesgrenzen hinaus berühmt machen, stellen die historischen Bergwiesen um Altenberg, Geising und Fürstenau ein einmaliges und unersetzliches sächsisches Kulturgut dar. Sie sind Zeugnis des schweren Lebens und Mühen der Bergbauern und Bergarbeiter, die seit über fünfhundert Jahren in dieser Region und von dieser Region leben und arbeiten.
Für die Pflege und Erhaltung dieser einmaligen Kulturlandschaft fühlen sich viele Naturschützer und Vereine, ganz besonders das Naturschutzgroßprojekt "Bergwiesen im Osterzgebirge" und der Förderverein für die Natur des Osterzgebirges verpflichtet. Vor allem durch die Arbeit des Großprojektes, dessen Träger der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gemeinsam mit den Städten Altenberg und Geising ist, konnten in den vergangenen 10 Jahren hervorragende Ergebnisse im Naturschutz sowie bei der Entwicklung dieser artenreichen Biotope erzielt werden. In die Pflegearbeit eingebunden waren sowohl Naturschutzvereine und private Eigentümer als auch die Landwirte und Agrargenossenschaften und kleinere Baubetriebe. Damit leisteten die Unternehmen einen wertvollen Beitrag zum Schutz und zum Erhalt heimatlicher Werte, und nebenbei hatten sie in dieser Zeit auch Einnahmen aus der Naturschutzarbeit, die zur Stabilisierung ihrer Betriebe beitrugen.
In der Umgebung der Oelsener Höhe werden artenreiche Wiesen unter Anleitung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz von den örtlichen Landwirten gepflegt und gehegt. Dort ist derzeit der schönste Blühaspekt der Sibirischen Schwertlilie, der "Blume des Jahres", in ganz Sachsen zu bewundern. Auch im Hochsommer sind diese Wiesen mit zahlreichen Blütenpflanzen wie Busch-Nelke, Perücken-Flockenblume, Heil-Ziest und Großer Wiesenknopf und einer Vielzahl von Tagfaltern und Heuschrecken eine Attraktion für die Besucher.
Durch die engagierte Arbeit der vielen Mitwirkenden hat die obere Osterzgebirgsregion sehr an Attraktivität und Erlebnisfähigkeit gewonnen. Das verdeutlicht die wachsende Zahl an Touristen aus weiten Teilen Deutschlands ebenso, wie die vielen Tagesbesucher aus Dresden und der näheren Umgebung. Mit Bahn oder Bus leicht erreichbar und erwanderbar, stellt die Gegend nicht nur im Frühling ein reizendes Ausflugsziel für Familien, ältere Menschen und interessierte Touristen dar. Und wer den Weg auf das "Dach des Osterzgebirges" nach Fürstenau und Zinnwald wagt, wird in der Stille unberührter Natur neben bunten Bergwiesen und Flächen mit weiß fruchtendem Wollgras auch sehr interessante Sichtweisen auf die abwechslungsreiche weite Ferne des mittelsächsischen Berglandes, der Sächsischen Schweiz und des böhmischen Mittelgebirges genießen können. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
(Holger Menzer, Projektmanager des Naturschutzgroßprojektes "Bergwiesen im Osterzgebirge", 18.6.2010)
Im Kammgebiet des oberen Osterzgebirges, dem Gebiet um Altenberg, Geising und Fürstenau finden wir eine einzigartige Kulturlandschaft mit besonderer Eigenart und Schönheit sowie einer schützenswerten naturräumlichen Ausstattung mit einem bemerkenswerten Artenspektrum an Flora und Fauna.
Unter den rauen klimatischen Bedingungen und den landwirtschaftlich kargen Bodenverhältnissen schufen hier die Bergarbeiter und Bergbauern seit 500 Jahren die charakteristischen Steinrückenstrukturen und große Offenlandbereiche mit einem hohen Grünlandanteil. Schutzwürdige und seltene Pflanzenarten prägen die artenreichen Bergwiesen. Gleichzeitig ist das Gebiet Lebensraum gefährdeter Vogelarten und heimischer Tagfalter.
Projekt ermöglicht Schutz, Pflege und Entwicklung der besonderen Landschaft
Das Naturschutzgroßprojekt "Bergwiesen im Osterzgebirge" widmet sich seit 1999 der Pflege, dem Schutz und der Entwicklung dieser einzigartigen Kulturlandschaft.
Ziel des Naturschutzgroßprojektes ist es, durch eine pflegliche landwirtschaftliche Nutzung, naturnahen Waldbau und einen naturverträglichen Tourismus den Schutz sowie die Pflege und Entwicklung dieser bedeutenden Landschaft und ihrem Artenreichtum zu sichern.
Hohe Akzeptanz in der Öffentlichkeit
Durch die frühzeitige Einbeziehung der Landbewirtschafter und Bürger in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen sowie einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit ist es gelungen, großes Vertrauen und eine hohe Akzeptanz für das Naturschutzprojekt zu gewinnen.
Gemeinsam mit den regionalen Landwirtschaftsbetrieben, den Naturschutzvereinen, Forst- und Baubetrieben sowie den privaten Eigentümern wurden im Projektzeitraum die im Pflegeplan formulierten Ziele erreicht. Eine Vielzahl an Partnern beteiligte sich an den Pflegearbeiten. Das trug zur wirtschaftlichen Stabilisierung der beteiligten Betriebe und zur Erhöhung der Attraktivität der Region und ihres Bekanntheitsgrades bundesweit bei.
Naturschutzprojekt soll fortgeführt werden
Landrat Michael Geisler würdigte in einer Beratung mit der Projektbeauftragten des Bundesamtes für Naturschutz im September die Bedeutung des Projektes für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als ein Vorzeigeprojekt des Bundes. Eine erweiterte Fortführung des Projektes und die Sicherung der bisher erreichten Projektziele wird durch den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gemeinsam mit den Bürgermeistern der Städte Altenberg und Geising als Projektträger einvernehmlich befürwortet.
Das Projekt in Zahlen:
Fläche gesamt: 2.700 ha
Kerngebiete: 890 ha
Förderung: 5,4 Mio. Euro (75% Bund, 20% Freistaat Sachsen und 5% Landkreis)
Projektträger: Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Partner: Städte Altenberg und Geising