
Im Grundgesetz Artikel 2 Abs. 2 heißt es: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur aufgrund eines Gesetzes eingegriffen werden." Doch die Statistiken ziehen eine nüchterne Bilanz: Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren hat im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch einen Beziehungspartner erlebt. Das besagt eine im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellte Studie unter dem Titel Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen.
Fakten wie diese zeigen, dass das Thema häusliche Gewalt nicht totgeschwiegen werden darf, sondern ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken muss. Weltweit wird am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, mit Aktionen, Veranstaltungen und Tagungen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen aufgerufen. Der Tag gegen häusliche Gewalt ist ein Aktionstag, der auch im Landkreis Zeichen setzt. Das Thema Gewalt wird öffentlich gemacht: Mut zur Courage in der Bevölkerung entwickeln sowie Hilfe- und Schutzangebote für Betroffene bieten ist das Ziel.
In den folgenden Beiträgen finden Sie viele Informationen rund um den Aktionstag im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Mit großen Straßenaufklebern in der Pirnaer Innenstadt sowie vor den Krankenhauseingängen in Dippoldiswalde, Freital, Pirna und Sebnitz macht der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge diesjährig auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November aufmerksam.
Die Botschaft ist eindeutig: Nein zu häuslicher Gewalt!
Häusliche Gewalt hat viele Gesichter. Sie findet oft hinter verschlossenen Türen statt, unbemerkt von der Außenwelt. Die Betroffenen leiden mitunter jahrelang. Aus diesem Grund muss häusliche Gewalt thematisiert werden.
Wichtige Rufnummern auf den Aufklebern, wie die der Rettungsleitstelle des Landkreises, des Frauen- und Kinderschutzhauses in Pirna und der Beratungs- und Interventionsstelle in Radebeul sind erste Angebote, um Betroffenen zu helfen.
Weitere Kontaktadressen für Hilfe und Beratung sind in der Broschüre "Nein zu häuslicher Gewalt" zusammengestellt. Die Broschüre kann ab 2. Dezember 2011 in den Bürgerbüros des Landkreises in Pirna, Freital, Sebnitz und Dippoldiswalde, in verschiedenen Beratungsstellen und in den Rathäusern aller Gemeinden nachgefragt werden.
Fahnenaktion der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes e. V.
Der Landkreis beteiligte sich anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen außerdem an der Fahnenaktion der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes e.V. Am 25. November 2011, um 11:00 Uhr wurden durch Kati Hille, Beigeordnete des Landrates, sowie durch Astrid Hanl, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, die entsprechenden Fahnen vor dem Landratsamt, Zehistaer Straße 9 in Pirna gehisst.
Der Landkreis beteiligte sich anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen außerdem an der Fahnenaktion der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes e. V.
Am 25. November 2011, um 11:00 Uhr wurden durch Kati Hille, Beigeordnete des Landrates, sowie durch Astrid Hanl, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, die entsprechenden Fahnen vor dem Landratsamt, Zehistaer Straße 9 in Pirna gehisst.
Weltweit wird am 25. November - dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen - mit Aktionen und Veranstaltungen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen aufgerufen.
Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren hat im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch einen Beziehungspartner erlebt. Das besagt eine im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellte Studie unter dem Titel Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen. Die Betroffenen leiden; mitunter jahrelang.
Wie kann Ihre Beratungs- und Interventionsstelle Opfern helfen?
In der Interventionsstelle finden Opfer häuslicher Gewalt Hilfe und Unterstützung. Die Mitarbeiter helfen Betroffenen, ihre Rechte nach dem Gewaltschutzgesetz zu nutzen. Aufgrund traumatisierter Erlebnisse sind die Opfer häuslicher Gewalt oft nicht in der Lage, allein Gewaltprozesse zu unterbrechen, sich und ihre Kinder in Schutz zu bringen.
Wie genau sieht hierbei Ihre Hilfe aus?
In der Interventionsstelle können sich Opfer über Schutzmöglichkeiten für sich und ihre Kinder informieren. Wir sind da, um zuzuhören, wenn die Betroffenen über das ihnen zugefügte Leid sprechen. Wir suchen mit ihnen nach Wegen, wie sie aus dieser Gewaltsituation rauskommen. Dabei ist jedes Opfer anders. Während die eine Frau noch Zweifel hegt, ob sie sich wehren soll, ist die andere fest entschlossen und will eine Trennung von ihrem gewalttätigen Partner mit aller Konsequenz.
Wir setzen die Betroffenen bei ihren Entscheidungen nicht unter Druck. Aber wir überlegen, was die Frau, die jetzt noch zweifelt und an eine Besserung ihres Partners glaubt, tun kann, wenn er sie wieder schlägt. So stellen wir mit ihr einen persönlichen "Sicherheitskoffer" mit wichtigen Unterlagen, genügend Kleidung und ein Fluchtplan zusammen.
Mit dem Opfer, welches bereit ist, sich aus der Gewaltbeziehung zu trennen, besprechen wir die rechtlichen Schritte nach dem Gewaltschutzgesetz. D. h. wir können mit der Betroffenen bei der Polizei durchsetzen, dass ihr die gemeinsame Wohnung zur alleinigen Nutzung zugesprochen wird. Wir helfen unter anderem dem Opfer, Beweismittel für erlittene Gewalt zu sammeln, Kinder, Verwandte und Freunde angemessen über die Gewaltsituation zu informieren, Datensperren zu beantragen und sie zu Gerichtsverhandlungen zu begleiten.
Warum bleiben die Opfer, wie das Beispiel der jungen Frau, in den Gewaltbeziehungen?
Opfer häuslicher Gewalt nehmen den Täter als allmächtig wahr und fühlen sich selbst als handlungsunfähig. Aufgrund jahrelanger Misshandlung haben sie ein "zerschlagenes" Selbstwertgefühl. Sie trauen sich nicht wegzugehen. Betroffene haben Angst, allein zu leben. Sie befürchten einen sozialen Abstieg ohne finanzielle Mittel und Handlungsmöglichkeiten. Zum Teil fühlen sie sich für ihre Situation schuldig und bemühen sich den Partner und die Beziehung zu "retten". Sie wollen den Vater ihrer Kinder und die Paarbeziehung behalten, der Gewaltbeziehung jedoch entgehen, was inneren Widerspruch verursacht und den Schutz blockiert. Opfer häuslicher Gewalt befürchten schlimmere Gewaltausbrüche des Partners. Studien zeigen, dass die Zeit nach der Trennung für misshandelte Frauen die gefährlichste ist.
Die meisten Tötungen erfolgen in der Zeit nach der Trennung. Viele Betroffene glauben, dass es sich bei der Gewalt um ein einmaliges Ereignis handelt. Stattdessen folgen fast immer weitere Übergriffe in immer kürzeren Abständen.
Quasi eine Kette ohne Ende?
Wir nennen das eine Gewaltspirale. Die meisten Gewaltbeziehungen verlaufen nach einer Gesetzmäßigkeit. Ein Kreislauf verschiedener Phasen wechselt sich kontinuierlich ab. Dabei sind auch Phasen von Reue und Zuwendung des Täters, die den Ausstieg des Opfers aus dem Gewaltkreislauf erschweren.
Noch eine letzte Frage: Sind es ausschließlich Frauen, die die Interventionsstelle aufsuchen?
Es kommen fast ausschließlich Frauen. Aber auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt. Leider trauen sie sich noch zu wenig, Hilfe von außen zu suchen und anzunehmen. Wir versuchen bewusst zu machen, dass in unserer Interventionsstelle sowohl weibliche auch männliche Opfer beraten werden, egal welcher Schicht und welcher Kultur sie angehören oder aus welcher Beziehung - heterosexuell oder homosexuell.
Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Foto: Fotodesign Meusegast
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